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Die Breslauer Schule der Anthropologie -
Eine ideologische Vererbungslehre

Große Hausarbeit im Kurs Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie (Prüfer: Wulf D. Hund)
von Thomas Mielke, Hochschule für Wirtschaft und Politik Hamburg.

Einleitung

Am 8. und 9. Juni 1995 legten einige namhafte Fachvertreter der Biologie im Rahmen der UNESCO-Konferenz "Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung" ein "Statement on `Race'" vor, in dem es heißt, der Gebrauch des Begriffs Rasse, bzw. ein Klassifikationssystem, das die Menschheit in bestimmte Gruppen aufteilt, sei geschichtlich überholt und vom wissenschaftlichen Standpunkt aus vollständig unhaltbar geworden. Es wurde von diesen Fachvertretern hervorgehoben, daß das Rassenkonzept in der Geschichte zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen geführt hat. Sie empfahlen die Rassentypologie durch die moderne populationsgenetische Betrachtung zu ersetzen.1

 Im Wintersemester desselben Jahres wurde am Institut für Humanbiologie in Hamburg zum wiederholten Male eine Vorlesung mit dem Titel "Rassenkunde des Menschen" angeboten. Der Dozent Virendra P. Chopra versuchte in der Vorlesung den Studierenden die korrekte Handhabe eines rassenkundlichen Begriffsapparates nahezubringen, der im Wesentlichen mit einem aus dem Jahre 1934 stammenden Werk des damals in Breslau wirkenden Wissenschaftlers Egon Freiherr von Eickstedt (+1965) identisch ist.[2] Diese Traditionspflege begründet Chopra damit, daß die modernen genetischen Erkenntnisse "im Großen und Ganzen" nur die rassenkundlichen (morphologischen) Befunde bestätigen.3

 Die Meinungsverschiedenheit zwischen den UNESCO-Resolutionären und den heutigen Rassenkundlern ist kein neues Phänomen. Schon 1941 kritisiert der Humangenetiker Fritz Lenz[4] den Anthropologen Eickstedt im Zusammenhang mit dessen Schlesien-Untersuchung[5] mit dem Argument, daß "... es nicht möglich ist, in einer gemischten Bevölkerung einen Menschen nach Prozenten in Rassen aufzuteilen, ..."[6]; aber weiter: "Wichtiger als die äußeren Merkmale ist die abstammungsmäßige Herkunft eines Menschen. Ein blonder Jude ist auch ein Jude"[7]. Die Rivalität der beiden Lager setzte sich fort bis in die Nachkriegszeit hinein, wurde aber - bedingt durch die Zusammenfassung von Humangenetikern und Anthropologen in eine gemeinsame Fachgesellschaft - relativiert.[8] Seit der Wiedervereinigung der west- und ostdeutschen Anthropologen bei gleichzeitiger Abspaltung der Humangenetiker[9] in 1992 - in diesem Jahr hätte v. Eickstedt seinen 100sten Geburtstag gefeiert - scheint sich das Klima allerdings wieder verschlechtert zu haben. Vor diesem Hintergrund kann Chopras Aussage, daß die morphologische Rassentypologie neueren genetischen Erkenntnissen nicht widerspricht, als Einnahme einer Defensivposition zur Verteidigung der Rassenkunde gegen die Humangenetik verstanden werden.

Die ideologischen Wurzeln

Die historische Grundlage der Breslauer Rassenkunde kann in einer Typologie H. F. K. Günthers gesehen werden, die er ab 1922 in seinem Werk "Die Rassenkunde des Deutschen Volkes" propagierte. "Rasse-Günther" (so sein Spitzname) unterschied darin vier `Rassen': die `nordische', `dinarische', `ostische', und `alpine'.[10] Dieses Schema wurde die Grundlage der nationalsozialistischen Rassenideologie, die später sechs `deutsche' Rassen unterschied.[11] So schrieb der Reichsführer-SS Heinrich Himmler 1937: "Die Auslese guten Blutes ist theoretisch schon sehr oft erkannt worden. Es hat sehr viele Bücher darüber gegeben, angefangen von Chamberlain bis zu Günther ..."[12]. Die nachfolgende exemplarische Gegenüberstellung beschränkt sich auf Rassensysteme des `Deutschen Volks' von Günther, Eickstedt, und eines rezenten Vertreters der `Breslauer Schule' - Rainer Knußmann.

Günthers Rassentypologie

Für Günther steht an erster Stelle seiner `Wertigkeitsskala' die `nordische Rasse', deren Wesen sich durch "Urteilsfähigkeit", "Wahrhaftigkeit" und "Tatkraft" auszeichnet. Weitere Merkmale sind ein "Gerechtigkeitssinn", "Einzeltum" und Leidenschaftslosigkeit.[13] Die >>westische (mediterrane) Rasse<< bildet den Gegenpol durch ein ausgesprochene "Leidenschaftlichkeit" und "geistige Beweglichkeit" sowie "Heiterkeit" und "Geselligkeit".[14] Die >>ostische Rasse<< bekommt Attribute wie "Verschlossenheit", "Geduld", "Fleiß". Sie ist "empfänglich für Leitung und Führung", "bequem", entwickelt eine besondere "Anhänglichkeit an Familie und Örtlichkeit". Wer dieser Rasse angehört ist ein "fügsamer Untertan".15 Als letzte beschreibt Günther die >>dinarische Rasse<<:: "Ein besonderer Sinn für Ehre zeichnet sie aus und überall eine stark vaterländische, besser: heimatliche Gesinnung". Hauptattribute dieser `Rasse' sind "Verläßlichkeit", "Tapferkeit" und "Stolz". Günther erkennt eine "gewisse händlerische und kaufmännische Begabung"; weiter: "Sie scheint zu leichter Erregbarkeit zu neigen, zu schnellem Aufbrausen, ja zum Jähzorn und zu besonderer Rauflust". Sekundäre psychische Merkmale sind "Gutmütigkeit", "Derbheit", "Roheit" und "Sentimentalität".16 Auffällig ist, daß Günther sämtliche `Rassen' in Vergleich zur >>nordischen Rasse<< setzt: "So scheint die dinarische Rasse gegenüber der nordischen seelisch einfacher, minder reichhaltig und an Möglichkeiten der Entfaltung beschränkt zu sein".[17]

v. Eickstedts Rassentypologie

1934 veröffentlichte v. Eickstedt ein Buch mit dem Titel "Die rassischen Grundlagen des deutschen Volkstums". Hier wurde unterschieden zwischen "nordischer", "dinarischer", "mediterraner (westischer)", "alpiner (ostischer)" und "osteuropieder (ostbaltischer)" Rasse.[18] Wie Günther, so verband auch Eickstedt mit den unterschiedlichen Rassen nicht nur verschiedene körperliche, sondern auch psychische Ausstattungen. So ist der `Nordide' der "aktive Tatmensch mit stetem Temperament und zurückhaltendem, kühl-sachlichem Wesen. In seinen Neigungen unternehmungslustig und kämpferisch, voll tiefem Gefühlsleben, Gutmütigkeit und Gerechtigkeitsempfinden. Kennzeichnend sind Wahrheitssinn, Ehrgefühl, Freiheitsliebe, Reinlichkeit. ...".[19] Schlechter kommt da der `Osteuropide' weg: Er ist der "schwerfällige Stimmungsmensch mit wechselndem Temprament" mit "unbefriedigtem Gefühlsleben". Er hat ein "geschickt psychologisches, zergliederndes Denken und weiche, mitunter unentschlossene Willenshaltung".[20] Dem `Dinarier' wird "sentimentales Gefühlsleben, Heimattreue ... diplomatische, kaufmännische und musikalische Neigung und Rauflust" zugeschrieben. Er besitzt ein "klares, wendiges, zielstrebiges Denken". Beim `Alpinen (Ostischen)' haben wir den "freundlichen Alltagstypus: passives vergnügtes Temperament, zufriedenes und freundliches, aber mißtrauisches ... Wesen, beschaulich und bieder. ... geringer, aber bedächtiger und gleichmäßiger Wille."[21] Daß der `Mediterranide' in diesem Rassensystem ein "leidenschaftliches Temperament" aufweist, müßte hier wohl eigentlich nicht mehr erwähnt werden.[22] Darüber hinaus ist sein Wille "hart und scharf, ja grausam".23

Beiden bisherigen Typologien ist auch gemeinsam, daß sie Juden als Fremdvölker sehen und deshalb nicht zum `Deutschen Volk' (zum `Wirtsvolk') zählen. Ähnliches gilt für Roma und Sinti.

Knußmanns Rassentypologie

Rainer Knußmann, ein Schüler von Ilse Schwidetzky, die wiederum Schülerin von Eickstedt war, hat bis heute noch keine Rassentypologie des Deutschen Volkes herausgegeben. In der Rassenaufteilung Europas seines Lehrbuchs sind aber bekannte Begriffe zu finden: "Nordide (Nordische od. Germanische Rasse)" mit ihren Unterrassen, den "Teutonordieden" und "Dalonordiden (Dalofälide, Fälische, ...)", "Osteuropide (Ostbalische od. Slawische Rasse)", "Alpinide (Ostische od. Alpine Rasse)", "Dinaride" und "Mediterranide (Westische od. Mediterrane Rasse)".[24] Die Beschreibungen der psychologischen Merkmale fehlen bei diesen "europiden Unterrassen" allerdings völlig. Jedoch wird dem "rassischen Typus" des europäischen Juden eine durch verschärfte Selektionsbedingungen geförderte stärkere Durchsetzungsfähigkeit attestiert, die dazu führte, daß relativ zur Bevölkerungszahl die Juden in geistigen Berufen einen sehr viel größeren Anteil einnahmen, was natürlich zu Neid bei der übrigen Bevölkerung führte.[25] Aus dieser Sicht kann man die Ursachen des Holocaust in den Genen der Juden sehen. Allen biologistischen Beschreibungen der "Judenrasse" - ob Juden darin als minderwertiger[26] oder als höherwertiger[27] dargestellt werden - ist gemeinsam, daß sie darauf hinzielen, die `Judenrasse' als fremdartig erscheinen zu lassen - und somit als störend hinzustellen.[28]

 Bezeichnend ist, daß Knußmann eine Seite vor seiner Beschreibung des jüdischen `Rassentypus' darauf hinweist, daß objektives "Testmaterial" bezüglich Charakterunterschieden zwischen "Rassen" kaum vorliegt - überdurchschnittliches Durchsetzungsvermögen zu besitzen ist für eine `Rasse' danach offenbar kein Charaktermerkmal. Unfreiwillige Selbstkritik übt Knußmann auch, wenn er schreibt: "Hierhin (zu den Mutmaßungen ohne wissenschaftlichen Wert) gehören auch die im nationalsozialistischen Deutschland weit verbreiteten Beschreibungen wie etwa von H. F. K. Günther, nach dem z.B. die nordische Rasse durch <<Urteilsfähigkeit, Wahrhaftigkeit und Tatkraft>>, durch unbestechliche Sachlichkeit, Treue, Pflichtbewußtsein bis hin zu rücksichtsloser Härte gegen sich selbst wie gegen andere, Zurückhaltung im Gefühlsausdruck, Hang zu Sondertum und Zersplitterung, Wagemut und Führereigenschaften gekennzeichnet ist, während die <<westische Rasse>> (Mediterranide) <<Leidenschaftlichkeit und geistige Beweglichkeit>> sowie Heiterkeit, warme Empfindung, besondere Gastlichkeit, stark ausgeprägte Geschlechtlichkeit, einen Hang zur Grausamkeit und die Neigung zum dolce far niente besitzt.".[29] Es ist offensichtlich, daß diese Zuordnung von charakterlichen Merkmalen zu den einzelnen `Rassen' starke Ähnlichkeiten zu Eickstedts `Rassen-Charakterologie' aufweist, auf dessen Rassenlehre die von Knußmann ja gegründet ist.

 Festzuhalten bleibt, daß Günther in Knußmanns Augen ein Rassenideologe ist, Eickstedt jedoch nicht.[30] Aus dieser Willkür läßt sich schließen, daß Knußmann, unterstellt man einmal, daß er nicht wissentlich Fakten unterschlägt, zumindest aber subjektiv geprägt ist, so daß er aus Achtung vor der Tradition oder schlicht aus Beharrung keine kritische, radikale Auseinandersetzung mit seinen Wurzeln anstrebt und so mehr oder weniger unfreiwillig eine Ideologie fortführt, die heute, fast acht Jahrzehnte nach Günthers Rassentypologie, antiquiert erscheint.

Personelle und institutionelle Wurzeln der Breslauer Schule

Nachdem die inhaltliche Kontinuität der Breslauer Schule am Beispiel der Rassentypologie Deutschlands in der Linie Günther, v. Eickstedt und Knußmann nachgewiesen ist und von letztgenanntem selbst als Ideologie entlarvt wurde, soll versucht werden, weitere personelle und institutionelle Verwobenheiten der Eickstedt-Epigonen darzustellen. Im Abschnitt 4 soll dann ihr Verhältnis zum ideologischen Kontext detailliert aufgezeigt werden.

Die Breslauer Schule während des Nationalsozialismus

Noch auf Eickstedts Indien-Expedition 1929 erreichte ihn der Ruf nach Breslau, wo er bis 1945 a. o. Professor bleiben sollte.[31] Ilse Schwidetzky (+1997), die genau wie Eickstedt aus der ehemaligen Provinz Posen (im heutigen Polen) stammt, wurde seine Assistentin, 1940 Dozentin[32] und habilitierte später auch bei ihm.[33] Zum alten Breslauer Kreis gehört ebenfalls Werner Klenke (damals noch Doktorand), der u.a. auch an der >>Rassenuntersuchung Schlesiens<< beteiligt war, deren Ergebnisse sogar in das >>kriegswichtige Forschungprogramm Deutscher Osten<< der >>Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung<< aufgenommen wurde.[34]

Zur ideologischen Entwicklung der Breslauer Schule im Nationalsozialismus kann man grob zusammenfassen, daß Differenzen mit NS-Stellen entweder auf persönliche Abneigungen oder auf oberflächliche Streitigkeiten bezüglich des `nordischen' Anteils der schlesischen Bevölkerung zurückgeführt werden können. Bemerkenswert ist, daß lokale Parteigrößen (Fritz Arlt, Martin Staemmler, Hermann Aubin, ...) Eickstedt erfolgreich den Rücken gegen seine Kritiker auf Reichs-Ebene (Otto Reche, Bruno. K. Schultz, Fritz Lenz u.A.) freihielten.[35] Verständlich, daß der Heimatgau den höchsten Anteil an `nordischer' Bevölkerung haben sollte.

Die Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde die Universität Mainz neu gegründet. Für v. Eicktedt wurde von dem Gründungsrektor Josef Schmid eigens ein Lehrstuhl für Anthropologie eingerichtet und der Aufbau eines Anthropologischen Instituts vorgesehen.[36] 1946 nahm das Institut, verstärkt durch die Eickstedt-Schülerin Ilse Schwidetzky, die Arbeit auf. 37 1947 wurde ein weiterer alter `Breslauer', Werner Klenke, ans Institut geholt, der später Kustos und Akademischer Direktor wurde. 1949 wurde Schwidetzky zum apl. Prof. ernannt, so daß die freiwerdende Assistentenstelle neu besetzt werden konnte. Zunächst mit Anneliese Luckhaupt, dann mit Rudolf Sieg, der später aber Schüler des Eickstedt-Konkurrenten Frédéric Falkenburger wurde[38]. Danach folgte Hubert Walter, dem 1958 die Lehrerlaubnis im Fach Anthropologie erteilt wurde und der 1962 Diätendozent in Mainz wurde.

 Nach Eickstedts Emeritierung 1960 wurde Schwidetzky die Leiterin des Instituts. Sie besetzte 1962 eine freiwerdende Assistentenstelle mit ihrem Schüler Rainer Knußmann. Eine 1963 geschaffene Assistentenstelle wurde mit Wolfram Bernhard besetzt. Nach der Habilitation Knußmanns und seiner Ernennung zum Diätendozenten 1965 wurde die freiwerdende Assistentenstelle von dem indischen Anthropologen Virendra P. Chopra und zwischenzeitlich (1969-1972[39]) von dem amerikanischen Anthropologen Norman Creel (+1988) besetzt. Creel war gegenüber der Typologie kritisch eingestellt und führte als einer der ersten die sogenannte multivariante Methode ein.[40]

1969 folgte Knußmann einem Ruf als Abteilungsvorsteher für medizinische Statistik und Anthropologie an die Universität Düsseldorf, wo er unter Prof. Schade tätig war. Schade war zur NS-Zeit Handlanger von Verschür und als Unterzeichner des Heidelberger Manifestes, eines rechtsextremen Pamphlets gegen die Überfremdung des deutschen Volkes, und Autor einiger Beiträge in der rechtsextremen Zeitschrift "Neue Anthropologie" auch nach dem Krieg nicht vom `rechten' Weg abgekommen.[41]

 1971 übernahm Winfried Henke aus Kiel die durch Habilitation und Ernennung zum Diätendozenten freigewordene Assistentenstelle von Wolfram Bernhard. 1974 ging Norman Creel als Associate Professor in die USA zurück und im selben Jahr folgte Hubert Walter einem Ruf als ordentlicher Professor für Anthropologie an der Universität Bremen und gründete das dortige Institut. Nachfolger für den 1975 pensionierten Werner Klenke wurde Winfried Henke. 1976 erfolgte die Emeritierung von Schwidetzky, deren Amt als Institutsleiterin auf Bernhard überging. Im selben Jahr wurde Virendra Chopra von Knußmann nach Hamburg geholt, wo er eine H2-Professur bekam. Im Gegenzug ging der aus Breslau stammende Diplom-Biologe Friedrich Wilhelm Rösing[42] von Hamburg nach Mainz und besetzte eine der beiden freigewordenen Assistentenstellen. Die zweite wurde von Wolfgang Beck übernommen. 1977 erfolgte die Berufung von Engelhard Schleiermacher auf die durch den Weggang von Hubert Walter schon drei Jahre vakant gewesene Stelle als Abteilungsvorsteher und Professor.

 Für das Fortleben der `Breslauer Schule der Rassenkunde' nach v. Eickstedt hatte das Wirken von Ilse Schwidetzky eine existenzielle Bedeutung. Ohne sie wäre diese klassische Form der Anthropologie möglicherweise ausgestorben. Eickstedt, mit seiner kontaktarmen und wenig charismatischen Art, außerdem nach dem Krieg hauptsächlich mit der Fertigstellung seines Werks "Forschung am Menschen" beschäftigt, hätte es nie allein geschafft seine Lehre zu etablieren.[43] Ilse Schwidetzky blieb die einzige Schülerin, die bei ihm habilitierte. Schwidetzky selbst gelang es aber, mindestens sechs ihrer Schüler[44] an mindestens vier Instituten als Professoren unterzubringen. Ihr fachpolitisches Engagement innerhalb der anthropologischen Gesellschaft machte sie zu einer Drahtzieherin bei wichtigen Entscheidungen. Zusammen mit Ina Rösing, der Schwester ihres mutmaßlichen Ehemanns[45] Friedrich Wilhelm Rösing, arbeitete sie 1970-1980 an einer wissenschaftssoziologischen Untersuchung der Entwicklung der Anthropologie.[46]

Einzelne Vertreter der Breslauer Schule

Es wird darauf verzichtet, noch einmal die ideologische Verbindung von Knußmann und Chopra aufzuzeigen, da dies in Abschnitt 1 und 2.3 bereits geschehen ist. Im übrigen ist es nicht gerechtfertigt einfache Zuordnungen von Anthropologen in einer Typologie zu erfassen. Die in Abschnitt 3 vorgenommene geschichtlichen Betrachtung auf institutioneller bzw. personeller Ebene diente dem Zweck einer Eingrenzung des zu untersuchenden Materials. Die Liste der untersuchten Personen ist damit notwendigerweise unvollständig. Die Breslauer Schule ist kein fest umgrenzter Personenkreis innerhalb der deutschsprachigen Anthropologie. Im folgenden soll vielmehr eine differenzierte Darstellung des Verhältnisses einzelner, mehr oder weniger willkürlich ausgewählter Individuen zu einer bestimmten Denkform nachgewiesen werden - zum Teil anhand der Darstellung ihrer Versuche von Vergangenheitsbewältigung[47], zum Teil durch Aufzeigen ihres Verhältnisses zur Rassentypologie.

Ilse Schwidetzky

Eine stichhaltige Kritik von Schwidetzkys Darstellung der Geschichte des Fachs hat Niels Lösch formuliert:

 "Die gängigen deutschsprachigen Fachgeschichten über Anthropologie haben die Gemeinsamkeit, die eigentlichen Wurzeln der Disziplin, die im deutschsprachigen Raum eindeutig in der Anatomie eingebettet sind, in ihrer Bedeutung zu relativieren. Der Grund hierfür ist vermutlich in der fachlichen Herkunft der Autorinnen und Autoren zu suchen. So stellt Ilse Schwidetzky in ihrer "Geschichte der Anthropologie" dieses Fach als eine biologisch orientierte Naturwissenschaft dar, was für die Nachkriegszeit zutreffend ist, nicht jedoch für die Zeit davor - denn dies ist eine Entwicklung, die sich erst durch die Forschungsrichtung Fischers einstellen sollte. Schwidetzky (geb. 1907) absolvierte ein naturwissenschaftliches Studium und wurde Schülerin des Anthropologen Egon Freiherr v. Eickstedt. Dieser hatte zwar ebenfalls bei Fischer studiert, überwarf sich aber mit ihm und stand ihm seither auch fachlich ablehnend gegenüber. In "ihrer" Geschichte der Anthropologie versucht Schwidetzky nicht nur, die Anthropologie als eine, schon in den Anlagen des 17. und 18. Jahrhunderts, breit gefächerte Naturwissenschaft darzustellen - ein Unterfangen, das für den französisch- und englischsprachigen Raum schon gewagt, für den deutschsprachigen Raum falsch ist. Sie ist darüber hinaus sehr bemüht, die Bedeutung ihres Lehrers v. Eickstedt bei der fachlichen Weiterentwicklung der Anthropologie, hin zur "modernen" Bio-Anthropologie oder Human-Biologie in den Vordergrund zu stellen und die Rolle Eugen Fischer(s) zu relativieren. Dabei folgt Schwidetzky der "Politik" ihres Lehrers v. Eickstedt, der schon 1937 in einer Darstellung versucht hatte, die Rolle Fischers bei der Konstituierung der bioanthropologischen Richtung in der Anthropologie zu übergehen und sich dafür massive Kritik der Fischer-Schüler wie v. Verschuer einhandelte. Tatsächlich ist v. Eicksted(t) als Vertreter der "neoklassischen" Anthropologie einzustufen. In Schwidetzkys Darstellung fehlt hingegen das Wort "Nationalsozialismus" in dem 60 Seiten starken Abschnitt des Handbuches der Anthropologie über die Geschichte des Faches im Unterkapitel "ß. Deutschland" vollkommen! Bei der Beschreibung der Institutionalisierung der Anthropologie als Fach springt die Autorin vom Ende der Weimarer Republik direkt in die Nachkriegszeit und unterschlägt damit die "Blüte" des Faches im Dritten Reich."[48]

 Diese neoklassische Anthropologie ist noch heute der charakterisierende Bestandteil der Breslauer Schule und hat als vielleicht offensichtlichste Erscheinung das Festhalten am Begriff der Menschenrasse. Dies obwohl andere Anthropologen die Berechtigung des Rassenkonzeptes verneinen oder in Zweifel ziehen, wie z.B. Christian Vogel, der schon 1965 das Wort "Rasse" nur in der Bedingungsform benutzte: "... falls das Phänomen Rasse garnicht existieren sollte ...", "... Typologie geeignet, Rassen, falls solche existieren, zu erfassen ...".[49]

 Auch die Chef-Rassenkundlerin Ilse Schwidetzky beschleicht dann und wann der Zweifel - zumindest was die Feingliederung der Rassen betrifft - wenn sie schreibt: "Nach welchen Kriterien in einem solchen Falle [wenn sich benachbarte Populationen nur wenig unterscheiden, Anm. d. Verf.] gegliedert werden kann, ob überhaupt gegliedert werden kann, ist eines der Hauptprobleme der Rassensystematik. [Abs.] Auf jeden Fall sind Rassen <<kollektive Gliederungen>>; ..."[50]. Hier scheint deutlich eine Schwachstelle des Rassenansatzes durch. Dieser wird aber gleich am Anfang des nächsten Absatzes übertüncht mit einer Feststellung, was Rassen `sind', worin auch enthalten ist, daß Rassen sind. Was die Motivation für die Verdrängung dieser Zweifel sind, kann man an Formulierungen wie der folgenden erkennen: "Es würden damit [mit der Einengung der Darstellung auf regionale Differenzierungen] auch die Wurzeln der Rassenkunde gekappt werden."[51] - Traditionspflege also.

Mit welchen Bedeutungen `Rasse' für Schwidetzky immer noch geladen ist, macht folgender Satz deutlich: "Es ist daher unsinnig, eine Überwindung aller Rassenkonflikte in der Welt davon zu erwarten, daß man so schnell wie möglich eine totale Rassenmischung für die ganze Ökumene und damit eine Aufhebung aller Rassenunterschiede empfiehlt ..."[52] Unsinnig ist für Schwidetzky die "totale Rassenmischung" jedoch nicht deshalb, weil die Ursache von `Rassenkonflikten' auf kultureller oder materieller Ebene zu suchen sind, sondern einfach deshalb, weil die Angleichung der `Rassen' sich mit der Zeit verlangsamen würde und nie eine komplette genetische Durchmischung eintreten würde. Ihr Ausgangspunkt bei dieser Problematisierung scheint tatsächlich der `Rassenkonflikt' als Funktion der biologischen Rassenunterschiede zu sein - genauer gesagt, der biologisch bedingten Verhaltensunterschiede der Rassen. Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt hin zu Rassencharakterisierungen á la Günther. Tatsächlich hat Schwidetzky 1933 dazu geschrieben[53], was sie nach 45 wohl nicht mehr getan hat. Der oben zitierte Satz legt jedoch den Verdacht nahe, daß Schwidetzky noch 1979 in rassenpsychologischen Kategorien gedacht hat.

Friedrich Wilhelm Rösing

Rösing ging an das seit 1974 existierende Ulmer Institut für Anthropologie. Die geistige Nähe zu den Mainzer Lehrern blieb aber erhalten. Das zeigt sich u.a. an der Mitarbeit Rösings an der Eickstedt-Biographie, die 1992 in der Mainzer Hauszeitschrift HOMO erschien und in der Eickstedts NS-Vergangenheit äußerst geschönt und einseitig dargestellt wird[54]. Das Konzept der Rassentypologie verteidigt Rösing zusammen mit dem Wiener Anthropologen Eike-Meinrad Winkler noch 1992 entschieden: "Ohne ausreichende Berücksichtigung der Erkenntnistheorie wurde das Typus-Konzept unkritisch verworfen. Man sah nicht, daß systematische Typen ja aus den Merkmalsverteilungen realer Populationen durch Abstraktion gewonnen werden, dem Typusbegriff also der Populationsbegriff zugrunde liegt. Der Begriff des Typus in den Naturwissenschaften schließt also Variation und Dynamik nicht aus, sondern hat diese als Voraussetzungen. Das Schlagwort vom <<Populationsdenken>> erweist sich so als Leerformel (WINKLER 1982, 1983; S.a. JURGENS & VOGEL 1965)."[55] und: "So isolierte BOYD (1950) aufgrund von 3 serologischen Systemen (ABO, MN, Rh) 6 geographische Komplexe, die im wesentlichen den Typen der morphologischen Rassenklassifikation entsprachen. Danach entstand rasch ein Konsens unter Serologen, ihre Klassifikationen seien <<neu>> und ersetzten die <<alten>> der Morphologie. Solche Ausgrenzung ist heute durch weitere und überwiegend bestätigende Untersuchungen überholt. Damit ist neben der entstehungsgeschichtlichen Verknüpfung zwischen jüngerer Klassifikation und Populationsgenetik heute auch eine inhaltliche Annäherung festzustellen."[56]

 Rösing war 1990/91 in einen Eklat innerhalb der Anthropologie verwickelt. 1990 erschien in der Fachzeitschrift HOMO, deren Mitherausgeber Rösing ist, ein Artikel von der `Zigeuner'-Forscherin Sophie Ehrhardt, in dem auf Datenmaterial von 1942 zurückgegriffen wurde.[57] Die damalige Untersuchung hatte einen eindeutigen bevölkerungspolitischen Bezug, nämlich den Anteil an eindeutschungsfähiger Bevölkerung im besetzten Estland zu ermitteln. Nachfolgend beauftragte der Wissenschaftliche Beirat der Gesellschaft für Anthropologie und Humangenetik, deren Mitglied auch Rösing ist, den Göttinger Anthropologen Herrmann und den Oldenburger Biologen Kattmann eine Stellungnahme zu verfassen, die dann in HOMO abgedruckt werden sollte. Das Manuskript wurde von den Herausgebern von HOMO (neben Rösing sind das Knußmann und Schwidetzky) zurückgewiesen. Für die Autoren war das bestimmt keine Überraschung. Die folgende Passage bildete einen Affront:

"Für das Urteil über die `ostbaltischen Rassen' als `unerwünscht' waren die seelischen Eigenschaften entscheidend, die man den so klassifizierten Menschen in der Rassenkunde zuschrieb:

 `Wesensart und damit Schicksal der ostbaltischen Rasse hat viel von der Schwere und Eintönigkeit ihrer Heimat, den weiten, von dunklen Wäldern und Sümpfen durchsetzten Ebenen Osteuropas: Sie erfassen und erleben langsam, aber sie halten fest, was sie erfaßt haben. Ein Hang zur Schwermut, zu sehnsüchtigen Träumereien, wie er aus russischen und polnischen Liedern klingt, ist ihnen eigen; wo Fröhlichkeit durchbricht, hat sie leicht etwas Wildes und Maßloses, Leidenschaft wird oft zur Brutalität. Ihr Handeln ist nicht von der kühlen Gradheit der Nordischen, verschlagene Umwege sind ihnen nicht fremd, Entschlüsse werden langsam, schwer und schwankend gefaßt. Aber sie sind fügsam, genügsam und zähe - nicht gute Herren, aber gute Untertanen.' (Holtz & Schwidetzky 1933, vgl. Günther 1933, pp. 236-240) [Zitat im Zitat]" 58

 Der Vergleich der von Schwidetzky herausgestellten seelischen Merkmale der `ostbaltischen Rasse' mit denen Günthers, also die Aufhebung des nach dem Krieg erhobenen Dogmas der Trennung von unwissenschaftlichem Rassismus und wissenschaftlicher Rassenlehre, konnte zu Lebzeiten Schwidetkys in Ermangelung an Vergangenheitsbewältigung natürlich unmöglich in HOMO veröffentlicht werden. Dazu kommt möglicherweise, daß die Erwähnung ihres Mitautors und damaligen NS-Ärztebundfunktionärs Holtz peinlich war.

Helmut Baitsch

Schon bevor Rösing den Ruf nach Ulm erhielt, wirkte Helmut Baitsch am dortigen Institut für Anthropologie. Um die Klärung von Baitschs Verhältnis zur Rassenkunde kommt man nicht herum, will man dieses Institut zum `Besitzstand' der Breslauer Schule zählen. Auch Baitsch war kein Held, was die Aufarbeitung der Vergangenheit angeht. Als Nachkriegs-Anthropologe (Prom. 51-52) hatte er dazu vielleicht keinen persönlichen Bezug. Allerdings war er Anfang der 60er Vorsitzender der Gesellschaft für Anthropologie und Humangenetik und hat sich auch nach dieser Zeit wissenschaftspolitisch engagiert. 1973 schrieb er über "Die Rassenideologie des Nationalsozialismus"[59]. Der Artikel enthielt keinerlei kritische Analyse der Rolle der Anthropologie im NS-System, sondern zielte auf die klare Abgrenzung der vermeintlich biologischen, streng wissenschaftlichen Rassenkunde von ideologischen Verirrungen des Nationalsozialismus. Allerdings wurde die biologische Seite nicht direkt erwähnt und zur Parteilinie in Bezug gesetzt. Wie bei Knußmann werden auch hier Ideologien personalisiert und die so ausgemachten Individuen nach gesellschaftlicher Zugehörigkeit einsortiert. Auch bei Baitsch muß Günther den Kopf hinhalten.[60] Auch hier kein Wort von Nazi-Mitläufern wie Eickstedt. Im Gegensatz zu Knußmann differenziert Baitsch aber weiter: Neben dem "romantisch verklärten"[61] Günther und dem die offizielle NS-Linie vertretenden Rassenpolitischen Amt, in welchem sich zumindest Gedanken über die wissenschaftliche Begründbarkeit der Rassenpolitik gemacht wurde, gab es Leute wie Hitler, Himmler, Organe wie die SS und das ihr angegliederte Rasse- und Siedlungshauptamt, welche sich einer geschichtsphilosophischen Rassenkonzeption, ja jeglichem Versuch einer rationalen Begründung der Vernichtung, entziehen.[62] Baitsch baut hier an einer zweiten Verteidigungslinie für die (im Text nicht erwähnten) Anthropologen, die in den Nationalsozialismus verstrickt waren; quasi eine Typologie Unbeteiligte/Mitläufer/Monstren.

 Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Baitsch nichts von Eickstedts Buch "Die rassischen Grundlagen des deutschen Volkstums" wußte oder Arbeiten wie die oben erwähnte von Schwidetzky und Holtz nicht kannte. Als Verfasser einer Denkschrift zur Lage der Anthropologie (1961) mußte er sich auch mit der Geschichte des Fachs und seiner Vertreter auseinandergesetzt haben.[63]

Hubert Walter

In einem Bericht der Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung taucht Hubert Walter als Kritiker von Knußmann auf, weil dieser die Zeitschrift `Neue Anthropologie' in seinem 1988er Lehrbuch aufgelistet hat.[64] Die im selben Buch enthaltene Darstellung der Geschichte des Fachs, verfasst von Walters Lehrerin Schwidetzky, kritisiert er ebenfalls.[65] Der Korpsgeist mag ja bei Walter nicht ungebrochen sein, allerdings ist die Feststellung, daß er "heute eine kritische Haltung zur Tradition seines Faches einnimmt"[66], nicht uneingeschränkt gültig.

 In einem Funkkolleg-Heft von 1992 fällt Walter - vielleicht ungewollt, vielleicht um Vertrautheit durch Verwendung gängiger Stereotype aufzubauen - zurück auf eine Rassentypologie, wie sie z.B. durch den schwedischen Naturforscher und Systematiker Karl Linné (+1778) populär geworden ist. Bei der Behandlung des Verhältnisses von UV-Bestrahlung und Hautpigmentierung bleibt Walter nicht bei dem relevanten Faktor, der UV-Toleranz durch das in der Haut gebildete Melanin[67], indiziert z.B. durch die Messung der Helligkeit/Dunkelheit der Haut. Auf einer Weltkarte zeigt er vielmehr die Verteilung der weißen, gelblichen, brünetten, braunen, gelbbraunen, dunkelbraunen und schwarzen `Häute'.[68] Eine Seite später verfeinert er das Bild und bildet Korrelationen der UV-Strahlung mit dem (jetzt wieder nur) Pigmentationsgrad für die drei großen `Rassengruppen' des Menschen. Originellerweise zählte Walter die `Negriden' nicht mehr als Großrassenkreis, wie dies die meisten anderen Anthropologen tun - und er selbst in seinem "Grundriß der Anthropologie"[69] von 1970 noch tat. Er spricht lediglich von `Europiden', `Mongoloiden' und `Indianiden' als den drei großen Rassengruppen des Menschen.[70] Böswilligerweise könnte man vermuten, daß er einen großen Teil der Bevölkerung Afrikas nicht mehr zur Art Homo Sapiens zählt. Trotz dieses devianten Verhaltens sind Walters Wurzeln eindeutig. Das zeigt sich in seinem "Grundriß der Anthropologie" von 1970: Dort findet man noch die vertraute Unterscheidung zwischen `mediterraner', `nordider', `osteuropider', `dinarider' und `alpiner Gruppe'.[71]

Kerrin Christiansen

Eine Anthropologin, die der Hautfarbe des `negriden' Großrassenkreises durchaus beachtung schenkt ist die am Hamburger Institut für Humanbiologie dozierende Kerrin Christiansen. 1989 schreibt sie zusammen mit ihrem Wiener Kollegen Winkler:

 "Innerhalb menschlicher Gruppen, Schichten oder Kulturen wird mit relativ großer Übereinstimmung ein Netz von Wenn-dann-Beziehungen zwischen Persönlichkeitseigenschaften sowie zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und nicht-psychischen Variablen gebildet, wobei hier meist somatische Merkmale gewählt werden, die besonders augenfällig sind (Körperform: "Dicke sind gemütlich" ; Lippenhöhe: "Volle Lippen deuten auf Sinnlichkeit hin" ; Haarform: "Krause Haare, krauser Sinn").

 So unsinnig diese Vereinfachugen auch erscheinen mögen, sind sie doch aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken, weil sie eine schnelle Diagnose des anderen zulassen und gelegentlich durchaus zutreffende Beurteilungen ermöglichen. ... Glaubt nämlich der Diagnostizierte an dieselbe implizite Persönlichkeitstheorie wie sein Beurteiler, orientiert er sein eigenes Verhalten daran und zeigt deshalb auch die prognostizierten Eigenschaften ..."[72]

 Richtig erkannt wurde, daß durch Diskriminierung über körperliche Merkmale eine Benachteiligung des Diskriminierten einsetzt, so daß sich auch die psychischen Eigenschaften des betroffenen Menschen ändern und auf diesem Umweg das Vorurteil bestätigen können. Es ist jedoch unverständlich, weshalb die Autoren meinen, daß diese Formen der Vorverurteilung "eine schnelle Diagnose zulassen", "zutreffende Beurteilungen ermöglichen" und "aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken" sind. Dies ist nur zu erklären, wenn der liberale Grundsatz der (zumindest angestrebten) Gleichheit verworfen wird und die Legitimation von Herrschaft der einen Gruppe über die andere durch die postulierte und suggerierte Minderwertigkeit der letzteren gutgeheißen wird.

 Der Rest des Artikels besteht aus der Beschreibung einer Untersuchung des Zusammenhangs von Hautfarbe (festgestellt durch rassenkundliche Bestimmungstafeln von 1935) und Intelligenz in Kenia, die mit Hinweisen auf höhere Intelligenz bei dunkler pigmentierten Individuen endet. Möglicherweise um die `Intelligenz der Europiden' nicht in Mißkredit zu bringen, wird darauf verwiesen, daß es sich bei den Helligkeitsunterschieden der Haut um "natürliche Varianten negrider Pigmentierung" handelt, d.h. sie ist nicht auf "Vermischung mit Europiden"[73] zurückzuführen.

An anderer Stelle untersucht Christiansen die kognitiven Fähigkeiten der `Kohisaniden' im Vergleich mit den `Europiden' und stellt eine gegenüber letzteren größere räumliche Wahrnehmungsfähigkeit aber geringere verbale Ausdrucksfähigkeit fest.[74] Die `gemessenen' Unterschiede werden auch hier auf biologische Ursachen zurückgeführt.

Günter Bräuer

Ein anderer Forscher, der sich mit den `Kohisaniden' beschäftigt hat ist Günther Bräuer, Diplom-Biologe, -Paläontologe und -Chemiker, der u.a. in Mainz studierte. 1976 promovierte er in Anthropologie und bekam eine Stelle am Hamburger Institut, wo er sich 1984 habilitierte.[75]

 Zusammen mit Rösing durfte er die 13. Lieferung des von Schwidetzky herausgegebenen Werkes "Rassengeschichte der Menschheit" mit Inhalt füllen. Dort verwendet er in Anlehnung an die übliche rassenkundliche Ausdrucksweise die Begriffe "kindähnlich [Übers. d. Verf.]", "infantil" und "pädomorph" im Zusammenhang mit der Untersuchung Prähistorischer Schädel von afrikanischen "San" und "Khoikhoi". Auch stellt er bei den `Negroiden' im Vergleich mit den `Kohisaniden' eine stärkere `Prognatie' fest.[76] Dies alles sind Begriffe mit einer diskriminierenden Vorgeschichte.

Heutige Bedeutung der Breslauer Schule

Um den Einfluß der Breslauer Schule auf die deutschsprachige Anthropologie zu illustrieren, ist in Diagramm 1 der `Output' an Dissertationen, Diplom-, Magister- und Staatsexamina der entsprechenden Institute über elf Jahre hinweg aufgeführt. Sicher ist dies nur ein begrenzt aussagefähiger Indikator für die wissenschaftliche Leistung der einzelnen Standorte. Er läßt z.B. weder die Qualität der Lehre, noch über Qualität und Quantität der Forschung gültige Aussagen zu. Aber es geht auch mehr darum zu zeigen, daß es sich bei `den Breslauern' nicht um ein verstecktes sektiererisches Grüppchen ewig Gestriger handelt.
 
 
[77]

 
Mit 149 bzw. 143 Abschlüssen liegen das Mainzer und das Hamburger Institut mit Abstand an der Spitze. Das Ulmer Institut liegt im Mittelfeld mit 54. Diese drei Institute[78] allein bildeten in dem Zeitraum ca. ein Drittel der Anthropologen aus. Dies dürfte nicht zuletzt auf die Mainzer Initiative zurückzuführen sein, `Humanbiologie' in den Lehrplan für Lehramtsbiologen aufzunehmen.[79] Zur Tendenz läßt sich sagen, daß Hamburg und Mainz, wenn man die ersten fünf Jahre mit den letzten fünf vergleicht, ihre Zahl etwa verdoppelt haben während sie in Ulm um mehr als die Hälfte zurückging.

Was die personelle Ausstattung des Lehrkörpers angeht, liegt Hamburg an der Spitze wenn man die Zahl von vier Professoren zugrunde legt.[80] Dazu kommt eine Privatdozentin. In Mainz kommt man mit nur zwei Professoren aus. Allerdings sind vier wissenschaftliche MitarbeiterInnen und zwei Lehrbeauftragte am Institut beschäftigt.[81] Im Gegensatz dazu ist die Zweigstelle Ulm personell im Abbau begriffen. Nach der Emeritierung von Baitsch wurde dessen C4-Professur Anthropologie in eine C4-Professur Epidemiologie umgewidmet.[82]

Die alten NS-Verbindungen der Breslauer Schule nach dem Krieg

Daß die Beziehungen der Breslauer Schule zu ehemaligen Nazi-Funktionären auch nach dem Krieg mehr als nur persönliche waren, zeigt das Beispiel des bis 1945 in Breslau wirkenden Historikers Hermann Aubin. Dieser war von der Breslauer Rassenkunde, speziell deren Schlesien-Untersuchung, derart angetan, daß er 1955-58 eine ähnliche Untersuchung für Westphalen mit durchsetzte.[83] Die rassenkundliche Untersuchung Schlesiens war Teil der Ostforschung und stand unter dem Schutz Aubins - damals ein führender Kopf der `Nord- und Ostdeutschen Forschungsgemeinschaft' (NODFG). Eine Aufgabe der Ostforschung war es, nach den `Gebietsverlusten' des ersten Weltkrieges Ansprüche auf Teile Osteuropas durch den Nachweis `deutschstämminger' Bevölkerung zu legitimieren.[84] Aubin war außerdem Initiator und von 1950-59 Präsident des J. G. Herder Forschungsrates[85], des Dachverbandes, dem die `Historische Kommision für Schlesien' heute angehört. Neben anderen Ostforschern ist auch Ilse Schwidetzky Mitglied der Kommission gewesen.[86] Aubins Zögling und späterer Professor an der Mainzer Universität Ludwig Petry (+1991) gehörte dieser Kommission von 1934 bis zu seiner Einberufung 1940 als Sekretär an und war 1969 maßgeblich an ihrer Reorganisation beteiligt.[87]

Petry schreibt noch 1987 von der "Wiedervereinigung von außen getrennter Volksglieder" als legitimes Ziel deutscher Geschichte.[88] Als Kopf einer Kommission, die sich mit der Geschichte Schlesiens beschäftigt, wird er damit nicht nur die Angliederung der DDR an die BRD gemeint haben.

 Auch Petrys Nachfolger, der Mainzer Professor für Geschichte Josef Joachim Menzel, hat sich offensichtlich mit der polnisch-deutschen Grenze noch nicht abgefunden. Ein Beispiel: 1977 versuchten westdeutsche und polnische Historiker sich auf den Inhalt bundesdeutscher und polnischer Schulbücher in bezug auf die gemeinsame Geschichte zu einigen. Menzel war Mitautor eines Alternativentwurfs, der die Empfehlungen der Konferenz um deutschtümelnde Bemerkungen ergänzte.[89]

Nach allem kann man sagen, daß es der `Historischen Kommision für Schlesien' nicht nur um Aufdeckung und Analyse von Geschichte geht, sondern es sind handfeste politische Intentionen im Spiel, die den Eindruck erwecken, als solle hier Geschichte geschrieben werden.

 Es gibt noch andere Anknüpfungspunkte, in denen die Breslauer Schule interdisziplinäre Kontakte zu NS-belasteten Wissenschaftlern pflegt(e), wie z.B. in die Mainzer anthropologisch-soziologischen Konferenzen.[90] In der Hauszeitschrift HOMO geben sich die einschlägigen Forscher gegenseitig die Klinke in die Hand.

Mit dem Generationenwechsel verschwinden zwar auch langsam die Verbindungen, denen man direkte Beteiligung an der Nazi-Wissenschaft nachweisen kann. Die Gefahr besteht aber, daß die neue Generation, ohne persönlich belastet zu sein, unter dem Deckmantel wertfreier Wissenschaft mit den alten Ideologien weitermacht.

Schlußbemerkung

Die bisherigen Ausführungen ergeben, daß mit der `Breslauer Schule' eine tendenziell bis fast offen rassistische Ideologie transportiert wird.[91] Rassistisch deshalb, weil sie geeignet ist, mit ihr Gruppen von Menschen wegen ihrer biologischen Eigenschaften zu diskriminieren. Ihre Vertreter müssen sich heute den Erfordernissen einer demokratischen Öffentlichkeit beugen, um ihren Besitzstand nicht zu gefährden. So ist auch auf Proteste von Studierenden hin die Hamburger Rassenkunde-Vorlesung umbenannt worden in "Geographische Variabilität des Menschen". Prof. Chopra benutzte in den ersten Sitzungen des Sommersemesters `98 kein einziges Mal den Begriff Rasse. Die eickstedtsche Diaserie von 1934 wurde durch ein Gruppenfoto von dynamischen jungen Menschen aus allen Teilen der Welt ersetzt.[92] Es ist zu vermuten, daß dies nicht durch einen Sinneswandel Chopras erklärt werden kann und daß es sich lediglich um eine erzwungene `political correctness' handelt. Sein Forschungsprogramm teilte mir Chopra im Wintersemester 97/98 nach einer Veranstaltung zu `problematischen Teilbereichen der Anthropologie' mit: Er fragte mich, was aber wäre, wenn sich herausstellt, daß es mehr als nur physische Unterschiede zwischen den Rassen gäbe... Unter diesem Aspekt kann die weithin akzeptierte Definition der Anthropologie, daß es sich dabei um die "Deskription und Kausalanalyse der Variablität innerhalb der Hominiden ... soweit sich diese Aufgaben auf nicht-pathologische und mit naturwissenschaftlichen Mitteln faßbare Merkmale beziehen"[93] handelt, neu interpretiert werden. Mit anderen Worten: Beschreibung und Erklärung der Unterschiede in der Vielfalt auch der geistig/seelischen Merkmale. Was Intelligenzunterschiede angeht, können sich einzelne Vertreter der `Breslauer Schule' nur mühsam zurückhalten, Wertungen auszusprechen; z.B. wenn Knußmann schreibt, daß "Negride [im Verhältnis zu den `Europiden', Mutmaßung des Verf.] über relativ gute verbale und Gedächnisleistungen sowie über relativ geringe Leistungen im logischen und abstrakten Denken"94 verfügen.

 Solcherlei Formulierungen sind Legitimation für eine herkunftsbedingte Ungleichbehandlung von Menschen. Sie dienen der Legitimation der Herrschaft von Menschen über Menschen. Mehr noch: Sie erlauben wegen ihrer biologischen Determinierung keinen Ausbruch aus dem Beherrschtwerden. Für die betroffenen Individuen gibt es keine Hoffnung auf Aufstieg durch Annahme einer bestimmten Ideologie oder Religion, bzw. durch Veränderung der eigenen materiellen Verhältnisse.

 Rechtsextreme wie der Populationsgenetiker Schade sind vorerst mit einer `Ausländer raus'-Politik vollkommen zufrieden. Sogar diese Leute werden ein Herrschaftsschema wie die Sklaverei heute kaum mehr fordern. Ihnen reicht die Feststellung von `Andersartigkeit', um die geographische Versetzung `Andersrassiger' in ihr mutmaßliches `Ursprungsland' zu begründen. Den Rest besorgt eine Art ferngesteuerter Sklaverei, die einen Teil von dem, was man Globalisierung nennt, darstellt - nämlich die weltweite Herrschaft der reichen Staaten über die armen.

 Die Vertreter der `Breslauer Schule' sind bisher noch nicht durch plumpe `Ausländer raus'-Parolen aufgefallen. Vielmehr ist davon auszugehen, daß überkommenes Wissen unkritisch angeeignet wird und sich Vorurteile sogar mit vordergründig liberalen und emanzipatorischen Idealen mischen. Das erweckt den Anschein einer `wertfreien Wissenschaft'. Wo diese Ideale in Widerspruch zum tradierten `Wissen' geraten, handelt es sich dann um Dinge, "die Nicht-Anthropologen nicht verstehen können" und wo evtl. Rücksicht auf die Gefühle der Öffentlichkeit genommen werden muß - wie zum Beispiel bei der Verwendung des Rassebegriffs. Gegenüber Applaus von Rechtsextremen wird häufig mit einer naiven Verständnislosigkeit reagiert.

 Mit Hilfe von `naturwissenschaftlich meßbaren Merkmalen' und statistischen Methoden konnte bisher noch jeder Zusammenhang nachgewiesen werden, den man wirklich nachweisen wollte. Am einfachsten kann man dies aufdecken, wenn man nach den Motivationen für seine Forschung fragt[95] und die eigene Fachgeschichte kritisch beleuchtet. Diese Arbeit hat versucht einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.

LITERATURVERZEICHNIS

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ANHANG

Rassismus-Definition von Philomena Essed

 Der Rassismus ist eine Ideologie, eine Struktur und ein Prozeß, mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige "Rassen" oder ethnische Gruppen angesehen werden. In der Folge dienen diese Unterschiede als Erklärung dafür, daß Mitglieder dieser Gruppierungen vom Zugang zu materiellen und nicht-materiellen Ressourcen ausgeschlossen werden...

 aus Philomena Essed: "Multikulturalismus und kultureller Rassismus in den Niederlanden", (S. 375) in "Rassismus und Migration in Europa", ARGUMENT-Sonderband AS 201, 1992

 Rassismus-Definition von Albert Memmi

 Es macht Schwierigkeiten, eine Definition des Rassismus zu finden, die allgemein akzeptiert wäre. Das ist erstaunlich bei einem Gegenstand, der so häufig und auf so unterschiedliche Weise aufgegriffen worden ist. Die Gründe für diese Schwierigkeiten werden verständlicher, wenn man sich vor Augen hält, daß das Fundament des Rassismus, d.h. der auf den Menschen angewendete Begriff der reinen Rasse, unzureichend definiert ist und daß es praktisch unmöglich ist, ihm einen exakt abgegrenzten Gegenstandsbereich zuzuordnen. Andererseits ist der Rassismus keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein Komplex von obendrein zumeist widersprüchlichen Meinungen, die sich keineswegs aus objektiven Feststellungen ableiten und dem, der sie von sich gibt äußerlich sind, zur Rechtfertigung von Handlungen, die ihrerseits der Angst vor dem anderen entspringen sowie dem Wunsch, diesen anderen anzugreifen, um die Angst zu bannen und sich selbst zum Schaden des anderen zu behaupten. Und schließlich erscheint der Rassismus als der Sonderfall eines allgemeineren Verhaltens: Die Verwendung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede, die aber auch psychologischer oder kultureller Art sein können. Der Rassismus erfüllt demnach eine bestimmte Funktion. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Rassismus die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers ist, mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll.

 aus Albert Memmi: "Rassismus", Hamburg 1992, S. 151


Fußnoten

 1 L.L. Cavalli-Sforza, W. Charlesworth, B. Chiarelli, J. Dittami, O. Eiben, D. Falk, S. Frey, A. Gabain, A.H. Goodman, K. Grammer, H.W. Jürgens, U. Kattmann, B. Müller-Hill, H. Preuschoft, P. Rudan, H. Seidler, S. Jölander, L. Tiger (Unterzeichner); abgedruckt in "Die Brücke - Forum für antirassistische Politik und Kultur" 2/1997

 [2] in der Literaturempfehlung zur Vorlesung wird explizit Eickstedts "Rassenkunde und Rassengeschichte der Menschheit" aufgeführt.

 3 vgl. Virendra Chopra: "Menschliche Rassenklassifikationen aufgrund polymorpher Gene" in "HOMO - Zeitschrift für die geographische Variabilität des Menschen", Jg 43/1, S. 54: "In conclusion, we can say that the studies dealing with the gene frequency distributions have been mainly responsible for parting from the typological approach to study race. These studies tell us that the interracial genetic variation is much smaller (~ 16%) than the intraracial variation. However, it is argued that even for this smalI portion of the total variation, the classification of human races is justified. When populations are grouped according to the major georaphical regions (e.g. continents), then the genetic variation is more or less systematic and regular. The pattern of variation is, in general, the same as known from morphological characters." (aus "The use of polymorphic genes to study human racial differences"

 [4] laut Kürschners Gelehrten.Kalender von '35 war Lenz Abteilungsleiter am Kaiser-Willhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik. Sein Schwerpunkt lag auf Erblehre und Rassenhygiene.

 [5] 1934-1939 wurde in dem damaligen Schlesien eine flächendeckende anthropologische Untersuchung der Bevölkerung durchgeführt, die den Zweck hatte, eine Kartierung nach Rassenanteilen (nordischer, usw. ...) vorzunehmen.

 [6] Lenz 1941, S. 393 (zit. nach Bärbel Baumann/Hans-Jürgen Bömelburg/Detlev Franz/Thomas Scheffczyk: "Elemente einer anderen Universitätsgeschichte", Mainz 1991, S. 106)

 [7] ebenda, S 397

 [8] Ina Spiegel-Rösing und Ilse Schwidetzky: "Maus und Schlange", München/Wien/Oldenbourg 1982, S. 15 Fußnote

 [9] unter Mitteilungen in Anthropologischer Anzeiger, Jg. 50, Heft 1/2

 [10] H. F. K. Günther: "Die Rassenkunde des Deutschen Volkes", 3. Auflage, München 1923

 [11] vgl. H. F. K. Günther: "Die Rassenkunde des Deutschen Volkes", 17. Auflage von 1933. Dort sind `westische', `ostbaltische' und `fählische Rassen' hinzugekommen, die `alpine' wurde der `ostischen' angegliedert).

 [12] Heinrich Himmler: "Nationalpolitischer Lehrgang der Wehrmacht vom 15. bis 23. Januar 1937" in "Das Dritte Reich und seine Denker" hgg. von Léon Poliakov und Joseph Wulf, Wiesbaden 1989

 [13] H. F. K. Günther, a.a.O., S. 148

 [14] ebenda, S. 166-167

 15 ebenda, S. 172

 16 ebenda, S. 178

 [17] ebenda, S. 179

 [18] Egon v. Eickstedt: "Die rassischen Grundlagen des deutschen Volkstums", Köln 1934, S. 25-28

 [19] ebenda, S. 25-26

 [20] ebenda, S. 26

 [21] ebenda, S. 27

 [22] ebenda, S. 28

 23 Eickstedt war mit einer Brasilianerin portugiesischer Abstammung verheiratet. Vgl. Ilse Schwidetzky, Anneliese Kandler-Pálsson, Rainer Knußmann: "Biographie Egon Freiherr von Eickstedt" in HOMO 43/1, S. 6

 [24] Rainer Knußmann: "Lehrbuch der Anthropologie und Humangenetik", Stuttgart/New York 1980, S. 346

 [25] ebenda, S. 343

 [26] wie bei Eickstedt und Günther.

 [27] wie bei einigen anderen NS-Ideologen, die den Führungsanspruch der `nordischen Rasse' in Gefahr sehen durch die jüdische Oberschicht.

 [28] vgl. auch Knußmanns Einstufung der `Zigeuner' als `Asoziale' (Ebenda S. 366) mit Eickstedts Beschreibung in "Die rassischen Grundlagen des deutschen Volkstums", a.a.O., S. 29

 [29] ebenda, S. 342

 [30] Knußmann definiert dieses als rassistische Ideologie und jenes als wissenschaftliche Rassenlehre - es bleibt aber jedem vernünftigen Menschen belassen, seine eigene Grenze zu ziehen - oder es sein zu lassen und statt von Rassisten, Nicht-Rassisten und Antirassisten zu reden, lieber von mehr oder weniger rassistischen Tendenzen zu sprechen und statt einer solchen Typologisierung vorzunehmen, es bei einer genauen Einzelfallprüfung zu belassen. Ob und wie weit das Phänomen der Abgrenzung (in Typologien) durch das Vorhandensein eines allgemeinen psychischen Mechanismus begründet werden kann oder ob er nur kulturell bedingt ist, kann an dieser Stelle unmöglich geklärt werden.

 [31] Ilse Schwidetzky, Anneliese Kandler-Pálsson, Rainer Knußmann: "Biographie Egon Freiherr von Eickstedt" (im folgenden "Eickstedt-Biographie") in HOMO 43/1, S. 8

 [32] Mitteilungsteil im Anthropologischen Anzeiger, Jg. 17, Heft 1/2, Stuttgart 1941, S. 177

 [33] Bärbel Baumann, Hans-Jürgen Bömelburg, Detlev Franz, Thomas Scheffczyk: "Elemente einer anderen Universitätsgeschichte" (im folgenden "Elemente ..."), Mainz 1991, S. 90

 [34] vgl. Jakob Michelsen: "Die >>Breslauer Schule<< der Rassenkunde" in "Deine Knochen - Deine Wirklichkeit" hgg. von der AG gegen Rassenkunde, Hamburg/Münster 1998, S. 100

 [35] vgl. "Elemente ..." S. 92-110; vgl. Jakob Michelsen, a.a.O., S. 96-101; vgl. Karl Saller: "Die Rassenlehre des Nationalsozialismus", Darmstadt 1961, S. 131-132; vgl. "Eickstedt-Biographie", a.a.O., S. 10

 [36] vgl. "Eickstedt-Biographie", a.a.O., S. 20-21

 37 vgl. Wolfram Bernhard: "Historische Entwicklung des Anthropologischen Instituts" in "Mathematik und Naturwissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz", Band 12, hgg. von Fritz Krafft, Wiesbaden 1977 - Wenn nicht anders gekennzeichnet beziehen sich die Angaben in diesem Abschnitt auf den Bernhard-Artikel, S. 70-74.

 [38] vgl. Rudolf Sieg's Dissertation: "Mischlingskinder in Westdeutschland" (Festschrift für Frédéric Falkenburger), Baden-Baden 1956, S. 11 Fußnote

 [39] vgl. H. Preuschofts Nachruf auf Norman Creel im Anthropologischen Anzeiger Jg. 47/3, S. 267

 [40] ebenda

 [41] vgl. NADESHDA - Bibliothek Rechtsextremismus, http://www.nadeshda.org/bib/hm8.html (13 KB)

 [42] Herkunft nach Angaben vom Deckblatt seiner Dissertation "Die Bevölkerung von Mannheim-Vogelstang (6.-7. Jh) und die merowingerzeitlichen Germanengruppen Europas", vorgelegt am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg am 18.4.1975

 Sein damaliger akad. Titel nach Angaben aus dem Autorenverzeichnis einer Festschrift zum 65. Geburtstag von Ilse Schwidetzky: "Bevölkerungsbiologie - Beiträge zur Struktur und Dynamik menschlicher Populationen aus anthropologischer Sicht", Hrsg. Wolfram Bernhard, Stuttgart 1974

 [43] vgl. "Eickstedt-Biographie", a.a.O., S. 23; vgl. Ina Spiegel-Rösing und Ilse Schwidetzky, a.a.O., S. 16

 [44] Dunkelziffer unbekannt

 [45] vgl. Wolfram Bernhard, Rainer Knußmann, Friedrich Wilhelm Rösing: Schwidetzky-Nachruf in HOMO 48/3

 [46] Ina Spiegel-Rösing und Ilse Schwidetzky, a.a.O.

 [47] ihrer eigenen oder der ihres Fachs.

 [48] Niels C. Lösch: "Rasse als Konstrukt", Frankfurt am Main/Berlin/Bern/New York/Paris/Wien 1997, S. 25-26

 [49] Christian Vogel: "Beiträge zur menschlichen Typenkunde", Stuttgart 1965, S. 81

 [50] Ilse Schwidetzky: "Rassen und Rassenbildung beim Menschen", Stuttgart/New York 1979, S. 8

 [51] ebenda, S. 10

 [52] ebenda, S. 13

 [53] siehe nächter Abschnitt

 [54] vgl. Jan Diederich und Johann Knigge: "Rassenkunde am Institut für Humanbiologie" in "Deine Knochen - Deine Wirklichkeit", a.a.O., S. 61-62

 [55] F. W. Rösing, E.-M. Winkler: "Zur Paradigmengeschichte der Taxonomie: von Bernier über von Eickstedt zu Hiernaux", HOMO Vol. 43/1, S. 34-35

 [56] ebenda, S. 35

 [57] Sophie Ehrhardt: "Setukesen. Eine Bevölkerungsgruppe zwischen Esten und Russen im südöstlichen Estland", HOMO 40, S. 159-175, Stuttgart/Jena/New York 1991

 58 B. Herrmann und U. Kattmann: "Stellungnahme zur Veröffentlichung von S. Ehrhardt (1990): Setukesen. Eine Bevölkerungsgruppe zwischen Esten und Russen im südöstlichen Estland" in Anthropologischer Anzeiger, Jg. 50, Heft 1/2, S. 162

 [59] in "Humanbiologie - Ergebnisse und Aufgaben", hgg. v. H. Autrum und U. Wolf, Berlin/Heidelberg/New York 1973

 [60] ebenda, S. 68

 [61] ebenda

 [62] ebenda, S. 71-74

 [63] vgl. Ina Spiegel-Rösing und Ilse Schwidetzky, a.a.O., S. 12

 [64] vgl. Volker Stahl: "Hamburger `Rassenkunde'" in der AJW vom 6.2.1997

 [65] vgl. Hubert Walter: "Rezension zu Rainer Knußmann (Hg.): Anthropologie, Bd. 1, Teil 1" in: Anthropologischer Anzeiger 47 (1989), S. 87-95

 [66] "Die >>Breslauer Schule<< der Rassenkunde", a.a.O., S. 115

 [67] Wer die genaue Farbe der Haut eines Individuums beschreiben möchte, kann dies mit einem speziellen Meßgerät tun. Es zerlegt die Hautfarbe in die für sie verantwortlichen Komponenten: Melanin, Körperfett, Hämoglobin. Eine schwarz-weiß-rot-gelb Typologisierung ist aber in jedem Fall konstruiert, ohne eine Grundlage in der Natur zu haben.

 [68] vgl. Huber Walter: "Der Mensch als Kosmopolit. Die biologische Anpassungsfähigkeit des Menschen" in "Funkkolleg: Der Mensch. Anthropologie heute", 1. Aufl., Hemsbach 1992, S. 13

 [69] vgl. Huber Walter: "Grundriß der Anthropologie", München 1970, S. 182

 [70] vgl. "Funkkolleg: ...", S. 14: "Noch deutlicher tritt dieser Zusammenhang hervor, wenn man die Populationen nach den[!] drei großen Rassengruppen des Menschen differenziert. Für die Europiden, zu denen man die europäischen, nordafrikanischen, südwestafrikanischen und Teile der südasiatischen Populationen zählt, beträgt dieser Korrelationskoeffizient r = +0.70, für die Mongoloiden, also die Populationen Ost- und Südostasiens, r = +0.41 und für die Indianiden, also die Urbevölkerung Amerikas, r = 0.50."

 [71] ebenda S. 183-185

 [72] Kerrin Christiansen und Eike-Meinrad Winkler: "Studien zur impliziten Persönlichkeitstheorie über den Zusammenhang von Haarfarbe und Intelligenz in Ostafrika" in: Zeitschrift für Sozialpsychologie und Gruppendynamik, 14. Jg, Heft 3, 1989, S. 40-42

 [73] ebenda, S. 41

 [74] Jan Diedrich und Johann Knigge: "Rassenkunde am Institut für Humanbiologie" in "Deine Knochen - Deine Wirklichkeit", a.a.O., S. 80-81

 [75] siehe seine Kurzbiographie im "Funkkolleg: Anthropologie heute", a.a.O.

 [76] Günter Bräuer und Friedrich Wilhelm Rösing: "Human biological history of southern Africa" in "Rassengeschichte der Menschheit", 13. Lieferung, München 1989, S. 61

 [77] entnommen aus "Anthropologischer Anzeiger", Jg. 44 bis 55, jeweils Heft 4

 [78] Das Bremer Institut wird hier aus Vorsichtsgründen nicht zur `Breslauer Schule' dazugezählt, da sich Hubert Walter punktuell kritisch gegenüber anderen Mitgliedern seines Stalls geäußert hat. Bremen hat in der Statitik 88 Abschlüsse vorzuweisen.

 [79] vgl. Ina Spiegel-Rösing und Ilse Schwidetzky, a.a.O., S. 20

 [80] Rainer Knußmann: "Heutiges Bild und Geschichte der Anthropologie" in "Anthropologie - Lehrbuch der vergleichenden Biologie des Menschen", Bd. 1, hgg. v. Rainer Knußmann, Stuttgart/New York 1988, S. 19

 [81] "Mitarbeiter und Dozenten des Institutes für Anthropologie", http://lapalma.biologie.uni-mainz.de/anthro5.htm

 [82] unter "Sonstiges" in "Uni Ulm Intern", September 1997, http://blitz.chemie.uni-ulm.de/Ulm/uui/int0997.htm#sonst

 [83] "Eickstedt-Biographie", a.a.O., S. 16

 [84] Jakob Michelsen, a.a.O., S. 98

 [85] J. G. Herder-Forschungsrat e.V. (Hg.): "Erinnerungen an Hermann Aubin", Marburg/Lahn 1987, S. 77

 [86] "Das Mainzer Ludwig-Petry-Institut und seine Verbindungen in die Grauzonen zwischen CDU und Rechtsextremismus", http://www.nadeshda.org/bib/petry.html

 [87] Norbert Conrads Vorwort zur Petry-Festschrift "Dem Osten Zugewandt. Gesammelte Aufsätze zur schlesischen und ostdeutschen Geschichte", Sigmaringen 1983, S. XVII

 [88] Ludwig Petris Beitrag in J. G. Herder-Forschungsrat e.V. (Hg.): "Erinnerungen an Hermann Aubin", Marburg/Lahn 1987, S. 31-32

 [89] "Das Mainzer Ludwig-Petry-Institut ...", a.a.O.

 [90] vgl. "Elemente ..." S. 37

 [91] vgl. Anhang

 [92] Alle Änderungen bzgl. dieser Vorlesung sind auf Druck des Fachschaftsrats Biologie vorgenommen worden. Vgl. "Stellungnahme des FSR Biologie zu den Vorwürfen der AG gegen Rassenkunde gegen das Institut für Humanbiologie" vom 14.4.97.

 [93] Rainer Knußmann 1980, a.a.O., S. 3

 94 ebenda, S. 342

 [95] Wäre ein aus Südarfrika stammender Anthropologe bezüglich seines logischen Denkens und Abstraktionsfähigkeit auf das gleiche Ergebnis gekommen wie Knußmann? 


Zum Anfang dieser Seite Diese Seite zuletzt aktualisiert am 16.Dezember 1998 von Detlev Franz